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Samstag, 9. Januar 2021

Rodensteinstraße (Mannheimer Straße) / Eisenbahnanlage vor 1900

Die Bahnanlage im Bereich der heutigen Rodensteinstraße auf einer Ansichtskarte der  Kunstanstalt Chr. Haun, Darmstadt; gelaufen: 06.08.1900.


Die Ansichtskarte zeigt die Rodensteinstraße (ursprünglich: Mannheimer Straße), die damals noch auf gleicher Höhe mit den Bahnanlagen der Main-Neckar Bahn bzw. der Hessischen Ludwigs-Bahn lag. Im Hintergrund (Mitte) sieht man die alte Stadtkirche und das Dach des davor befindlichen alten Rathauses. Ganz links erkennt man den Rodensteiner Hof. Von den in der Rodensteinstraße zu sehenden Häusern stehen nur noch wenige. Die Mathildenstraße im rechten Teil des Bildes (links neben dem Haus am rechten Bildrand) ist ebenfalls zu erkennen.

Lage


Freitag, 15. Februar 2019

Der Bensheimer Bahnhof, Hessische Lokomotiven und ein Uniformknopf der HLB

Fangen wir einfach mal mit einem Knopf an. Jahrzehntelang mit anderen Kleinteilen wie Ansteckern, Zinnfiguren und Weihnachtsschmuck in einem alten Karton gelagert, fiel der schwarze unansehnliche Knopf gar nicht auf. Durch Unachtsamkeit - die Schwerkraft zeigte sich von ihrer lästigen Seite - fiel der Karton zu Boden und die Kleinteile bedurften der Sortierung. Was ist das? Da sind ja Räder zu erkennen.... eine Lok... eine alte Lok. Also den Knopf schnell in eine Reinigungsflüssigkeit geworfen, Zahnbürste, Messingbürste, Politur herausgeholt und siehe da...

Ein Knopf der HLB! Der Hessischen Ludwigsbahn. Einer der vielen Privatbahnen, die sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Landschaften der deutschen Länder schlängelten. 1845, nach vielen Querelen, wurde die zuerst noch Mainz-Ludwigshafener-Eisenbahngesellschaft genannte Eisenbahngesellschaft gegründet und bildete mit ihrem Bahnnetz von 697km Länge die größte Eisenbahngesellschaft. Doch... machen wir es kurz... Bismarck kam, erfand den berühmten Hering, schaffte das Reich und damit war Schluss mit der Hessischen Ludwigsbahn. 1899 - jetzt kommen wir auf den Knopf zurück - durften selbst die hartnäckigsten und trotzigsten ehemaligen Mitarbeiter der ehemaligen Gesellschaft ihre alten Uniformen nicht mehr tragen und die Köpfe wanderten mit in den Kleiderschrank. 

NLFXS_HLB_Knopf.jpg; Nachlass Franz Xaver Stoll, Bensheim; Uniformknopf der HLB (Hessische Ludwigsbahn) aus Messing, 24mm, Rückseite trägt Aufschrift "Extra Fein"; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2019.
Uniformknopf der Hessischen Ludwigsbahn (HLB)


Wer kann helfen? In einem Artikel der Lampertheimer Zeitung / Echo-Online1 wird von einem Fund eines HLB Knopfes berichtet, allerdings ist die Bestimmung der abgebildeten Lokomotive falsch. Kennen Sie die auf dem Knopf abgebildete HLB Lok?



So sah der Eisenbahnverkehr in und um Bensheim damals aus. Eine leider nicht genau zu bestimmende Lokomotive mit 6 Waggons fährt entlang der Bergstraße.

Kurz vor Bensheim - kurz vor dem Jahrhundertwechsel
Der Bensheimer Bahnhof um die Jahrhundertwende. Eine T3 steht schnaufend im Bahnhof und die Gleise sind noch ebenerdig verlegt. Im Hintergrund der Wartesaal der III. Klasse und jede Menge Bahnangestellte...und irgendwo unser Knopf...  Nicht mehr lange und er verschwindet für Jahrzehnte im Karton... Hoch Lebe Bismarck!
Der Bensheimer Bahnhof um die Jahrhundertwende mit ebenerdig verlegten Gleisen - eine T3 schnauft vor sich hin...

Freitag, 25. November 2016

Hurra, Christina ist da! - Schülerin der Liebfrauenschule schreibt Eltern eine Postkarte über ihre Ankunft in Bensheim 1898

Eine Ansichtskarte mit einer Ansicht der Liebfrauenschule aus dem Jahre 1898. Christina, eine Schülerin dieser Institution, aus der Nähe von Frankfurt, schreibt ihren Eltern aus Bensheim über ihre gesunde Ankunft im schönen Bensheim. 

Eigentlich nichts spektakuläres... gut, der Text ist nach heutigen Verhältnissen ungewöhnlich, aber besser so, als die Sachen, die man heute per SMS so absondert. Das Motiv... das Motiv ist interessant, aber vergleichen Sie hierzu auch das Bild, welches aus den 1950er / 1960er Jahren stammt.

Jetzt aber erst einmal - wenn auch nachträglich - Ein herzliches Willkommen in Bensheim, liebe Christina!

Vielen Dank an Herrn Kühnreich für diese schöne Postkarte.

Ansichtkarte, gelaufen 1898, Ankunft einer Schülerin Bensheim an der Liebfrauenschule, Sammlung Kühnreich


Jetzt das Ganze ein "paar" Jahre später:


Freitag, 17. Juni 2016

Die Hauptstraße um die Jahrhundertwende

Jetzt wird es richtig alt. Dieses Bild entstand um die Jahrhundertwende und zeigt die obere Hauptstraße. Im Hintergrund sieht man den Ritterplatz und der vom Fotografen gewählte Standort taucht öfters bei Bildern auf, die besondere Anlässe in Bensheim zeigen und die vom Hofphotographen Ferdinand Schmidt in der Hauptstraße 6 geschossen wurden. 
Jetzt also zur Frage: Was ist der Anlass dieses Aufmarsches?

BIAB D_02_0005.jpg Obere Hauptsstraße, Jahrhundertwende, Bild zur Verfügung gestellt von Ferdinand Woißyk
BIAB D_02_0005.jpg Obere Hauptsstraße, Jahrhundertwende, Bild zur Verfügung gestellt von Ferdinand Woißyk


Mittwoch, 4. November 2015

Bensheimer Rathaus und Marktplatz

Das Herz einer Stadt ist der Marktplatz. Hier findet man weltliche und religiöse Gebäude, Handel und Raum für Veranstaltungen jeglicher Art. Dies war und ist auch so in Bensheim. Dass sich diese zentralen Räume auch immer wieder wandeln, lässt sich auch hier feststellen. Meist blieben die Innenstadtbereiche trotz Kriegseinwirkungen in ihren Straßenverläufen gleich, neue Gebäude ersetzten baufällige oder zerstörte Häuser und im Rahmen von Stadtsanierungen, die die von Verkehr geplagten Innenstädte zu Fußgängerzonen wandelten, wurden auch unscheinbare Häuser durch Freilegen des Fachwerks zu wahren Schmuckstückchen. Dass sich diese Veränderungen unterschiedlich bewerten lassen, zeigen die vielen Diskussionen, die bei Veränderungen des "Altbewährten" losbrechen und Interessengruppen aus unterschiedlichen Lagern zu Tage fördern. Soll man Altes bewahren, ist das Neue immer besser, kann man beides kombinieren? Vielleicht können historische Bilder im Vergleich die momentanen Diskussionen zum Thema Neugestaltung des Bensheimer Marktplatzes unterstützen, anstehende Entscheidungen erleichtern und helfen, Chancen zu nutzen und Sünden zu vermeiden.

Das erste Bild stammt von weit vor 1895, denn es sind noch nicht einmal die Bäume gepflanzt, die im zweiten Bild zu erkennen sind. Dieses Bild stammt aus dem Nachlass von Franz Xaver Stoll und befindet sich leider in sehr schlechtem Zustand, die Silberschicht löst sich auf und es dürfte in ein paar Jahren kaum noch etwas von diesem Bild vorhanden sein.

Bensheimer Rathaus vor 1895, Nachlass Franz Xaver Stoll, Bensheim in alten Bildern


Das zweite Bild zeigt den Marktplatz im Jahre 1895, die Front des Bensheimer Rathauses hat noch die klassizistische Fassade des Jahres 1782, die umliegenden Fachwerkhäuser sind verputzt und im Hintergrund sieht man den Turm - es gab nur einen Turm - von St Georg. Der kleinere Turm gehört zum Rathaus.

Der Marktplatz samt Rathaus um 1895, Stadtarchiv Bensheim
Der Marktplatz samt Rathaus um 1895, Stadtarchiv Bensheim


In diesem Bild zeigt sich das Rathaus nur wenige Jahre später. Die Fassade wurde 1904 im Jugendstil neu gestaltet, verantwortlich hierfür war Heinrich Metzendorf.

Bensheimer Marktplatz mit dem 1904 neu gestalteten Rathaus, Quelle: Stadtarchiv Bensheim
Bensheimer Marktplatz mit dem 1904 neu gestalteten Rathaus, Quelle: Stadtarchiv Bensheim


Am 26.03.1945 fiel die Innenstadt einem Bombenangriff zum Opfer und auch das Rathaus wurde zerstört (siehe BA 30.03.2015). Nur die Außenwände blieben erhalten und auch St. Georg wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Nur noch der steinerne Teil des Turmes ist im Bild zu sehen.

Das Rathaus nach dem Krieg,  Quelle: Stadtarchiv Bensheim, digitale Version LAGIS Hessen Bild 198006
Das Rathaus nach dem Krieg,
Quelle: Stadtarchiv Bensheim, digitale Version LAGIS Hessen Bild 198006

Das wahre Ausmaß der Zerstörung ist auf diesem Bild zu erkennen. Das Bild wurde vom zerstörten Turm St. Georgs aufgenommen und zeigt das Rathaus von Osten. Das gesamte Innenleben des Rathauses ist ein Raub der Flammen geworden.

Das zerstörte Rathaus vom ebenfalls zerstörten Turm St Georgs,
Quelle: Stadtarchiv Bensheim, digitale Version LAGIS Hessen 198004

Nach dem Krieg wurden die Schäden und die Trümmer beseitigt. Für das Rathaus kam 1953 das endgültige Aus, es fiel dem spektakulären Einsatz einer Abrissbirne zum Opfer. In Bensheim entstand ein neuer Anblick. Der als Parkplatz genutzte Marktplatz ermöglichte einen direkten Blick auf die "neue" Front St Georgs. Der sogenannte "Münster der Bergstraße" wurde in den Jahren 1949 bis 1952 neu aufgebaut (siehe auch BA 21.01.2015).


Das ist der noch gewohnte Blick auf den Marktplatz in Bensheim. 1978 wurde ein neues, dem Marktplatz angepasstes, Gebäude - das sogenannte Haus am Markt -  an die Stelle des verloren gegangenen Rathauses gesetzt. Ursprünglich stand das Gebäude nur auf Säulen, so das unterhalb des Gebäudes Marktstände, insbesondere Weinstände am Winzerfest, aufgebaut werden konnten. Im Laufe der Zeit wurde dieser Bereich verglast und es entstanden Räume, die für Gastronomiebetriebe genutzt werden konnten. In letzter Zeit wurden Überlegungen angestellt, dass Haus am Markt durch einen neueren Bau zu ersetzen (siehe BA 28.10.2015 und BA 05.11.2015).

Der Bensheimer Marktplatz 2015, Stoll-Berberich
Der Bensheimer Marktplatz 2015