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Donnerstag, 9. Februar 2017

Bensheimer Nähschule um 1925

Das heutige Bild zeigt eine Klasse der Nähschule um 1925. Leider ist nur eine Dame auf dem Bild bekannt, nämlich die Dame ganz vorne. 

Anna Maria Zehnbauer besuchte, wie auch zuvor ihre Schwester Elisabeth, die Bensheimer Nähschule, die damals in der Hauptstraße 81 untergebracht war. Während von der einen Schwester nur noch das Bild aus der Ausbildungszeit existiert, liegen von Elisabeth Zehnbauer etliche Dokumente vor.

So existiert heute noch das Ausbildungsheft (PDF 27 MB) , welches in Bleistift verfasst, sowohl die handwerklichen als auch kaufmännischen Aspekte des Schneiderberufes umfasst. Zudem liegen der Lehr-Vertrag zum Damenmacherkleider-Handwerk (PDF 4 MB) mit der Schneiderei Heeb, die Einladung zur Überreichung des Gesellenbriefes im Deutschen Haus und die Urkunde zur Gesellenprüfung vor.






Wussten Sie, dass eine Damenbluse (für Frau Schmidt aus Bensheim) im Jahre 1925 insgesamt 24 Mark und 77 Pfennige kostete, dass insgesamt 9 Arbeitsstunden für die Fertigung angesetzt wurden und Frau Schmidt insgesamt dreimal zur Anprobe bestellt wurde. Die Materialkosten schlugen mit 15 Mark zu Buche, der Arbeitslohn mit 4,50 Mark.
Wir sprechen also von einem Arbeitslohn von 0,50 Pfennig!


Die feierliche Gesellenbriefüberreichung erfolgte am Sonntag 3. Mai 1925 um 2 Uhr im Deutschen Haus, die auch eine Besichtigung der Gesellenstücke in der städtischen Turnhalle (Anlage (heute: Beauner-Platz)) beinhaltete. Entscheidend ist dabei der Vermerk: "Ihre Gesellenstücke und Arbeitsproben (soweit ausstellungsfähig) haben Sie am Samstag, den 2. Mai in der städtischen Turnhalle zu Bensheim (Anlage) abzuliefern".



Freitag, 14. Oktober 2016

Wormser Straße 19 - 1910 - "Hinnerum": Die Stallungen der Bensheimer Postkutsche

Im letzten Beitrag war die Vorderansicht des Anwesens "Wormser Straße 19" zu sehen. Jetzt gibt es den Hof zu sehen, in dem die Bensheimer Postkutsche mit Johann Heinrich Zehnbauer und Philipp Zillig auf ihren Dienstantritt wartet.
Dass ein Foto immer noch eine Besonderheit darstellt, zeigt die Präsens der Kinder, des Landarbeiters "Blackes" und... der Hinkel.

Wormser Straße 19 um 1910 - Die Bensheimer Postkutsche besetzt mit Johann Heinrich Zehnbauer und Philipp Zillig; Nachlass Johann Heinrich Zehnbauer


Freitag, 7. Oktober 2016

Wormser Straße 19 - 1914 - Bensheims "Port Arthur"

Heute ein Bild, welches die Wormser Straße 19 zeigt. Das Bild wurde 1914 aufgenommen, so verrät es uns die Rückseite der Postkarte. Das Gebäude wurde 1909 durch die Wohnbaugesellschaft errichtet und von Johann Heinrich Zehnbauer käuflich erworben. Im Hintergrund erkennt man noch die Stallungen, die für den landwirtschaftlichen Betrieb gebraucht wurden und auch das Bensheimer Postpferd "Rosa" beherbergte. Zudem wurde hier die Postkutsche gelagert.

Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Gebäude nur geringfügig verändert. Teile des Vordergartens gingen auch hier durch Straßenerweiterungen verloren, im Hinterhof wurde ein Anbau erweitert, um den gestiegenen Ansprüchen in Bezug auf sanitäre Einrichtungen gerecht zu werden. Die Ornamente am Erker, das Rankgerüst, die Fensterläden und die historisch korrekten Fenster gingen leider verloren.

Das zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtete Gebiet, zu welchem auch das heute gezeigte Haus gehört, nennt sich bis heute im Bensheimer Volksmund "Port Arthur".

Der Begriff "Port Arthur" entstand, da das Viertel zur Zeit des russisch-japanischen Krieges gebaut wurde. Damals - August 1904 bis Januar 1905 - wurde der Hafen Port Arthur (Gelbes Meer) belagert und musste nach schweren, verlustreichen Kämpfen gegen japanische Einheiten aufgegeben werden.

Im nächsten Beitrag wird ein Bild des Hinterhofes aus dem Jahre 1910 präsentiert.


Donnerstag, 30. Juni 2016

Kalbs- und Schweinemetzgerei Johann Adam Zehnbauer - Hauptstraße 86 - Postkarte 1913

Heute sehen wir wieder eine wunderbare Postkarte aus der Sammlung von Herrn Kühnreich, die uns die Metzgerei Zehnbauer in der Hauptstraße 86 zeigt. Der stolze Besitzer steht vor der Tür seines Hauses, welches heute nicht mehr existiert. Dafür existiert aber ein Feldpostbrief aus dem Jahre 1917, den der Bruder des Metzgers - Jean Zehnbauer - von der Westfront aus Beselare ihm sandte. 

BIAB_HRK_0249 Kalbs- und Schweinemetzgerei Johann Adam Zehnbauer, Hauptstraße 86, Bensheim 1913, Postkarte, Sammlung Kühnreich


Hier muss ich einmal ein paar persönliche Worte anbringen, etwas, was ich vermeiden wollte, da ich diese Seite rein informativ halten wollte. Als Kind wurde ich öfters von meiner Großmutter, wenn ich sie einmal für ein paar Tage in Bensheim besuchte, zu einer Metzgerei geschickt, die etwas abseits lag. Ich konnte weder mit dem Namen etwas anfangen, geschweige denn mit der Notwendigkeit unbedingt diese Metzgerei aufsuchen zu müssen. Im Laufe der Jahre wurde mir klar, dass die zwei Damen, die hinter dem Tresen standen, in irgendeiner Form verwandt sein mussten und erst auf Nachfrage erläuterte man mir - meine Großmutter war bereits verstorben - dass dieser Verwandschaftsteil zum "Metzgerzweig" der Familie gehörte und einst eine Metzgerei in der Hauptstraße gehabt hatte. Allerdings gab es diese Metzgerei nicht mehr, auch kein Nachfolgebetrieb, zudem war das Haus abgerissen worden.

Als ich nun mit Herrn Kühnreich die Bilder sichtete, sprang mir die oben gezeigte Postkarte sofort ins Auge. Es war das erste Mal, dass ich die besagte Metzgerei im Bilde sah und es dämmerte mir, dass ich einst eine Feldpostkarte in Händen hielt, die als Adresse nur den Namen, die Stadt und das Wort Metzgerei führte. 

Es war der Bruder Johann Heinrich Zehnbauer (09.02.1882 - 21.11.1953) des auf dem Bild zu erkennenden Metzgermeisters Johann Adam Zehnbauer (17.04.1883 - 06.10.1952), der 1917 in der Nähe von Ypern eingesetzt war und - gerade wohl ein Paket Fleischwaren des Bruders erhalten habend - sich bedanken aber gleichzeitig die traumatischen Erlebnisse an der Front berichten wollte und den unten gezeigten Feldpostbrief am 21.08.1917 an die Metzgerei schickte.





Montag, 4. Januar 2016

Die Postkutsche in Bensheim 1937

Das erste Bild in diesem Jahr zeigt zwar keine Straßenzüge, auch keine Großereignisse oder Persönlichkeiten, dafür aber eine Besonderheit des Alltages. 
Was heute mit Fahrrad und vorallem mit Lieferwagen bewältigt wird, wurde früher mit Postkutschen erledigt. Das heutige Bild zeigt Johann Heinrich Zehnbauer mit seiner Postkutsche gezogen von Rosa im Jahre 1937.

Nachlass Joseph Stoll lfd.No. 95 - Bensheimer Postkutsche 1937
Johann Heinrich Zehnbauer mit der Bensheimer Postkutsche gezogen von Rosa im Jahre 1937