Mag sein, dass man ähnliche Bilder schon mal gesehen hat, aber meist stimmt der Gesamteindruck, während die Details abweichen. So zeigen sich in diesem Bild wieder kleine Details, die von der Bensheimer Stadtgeschichte und der Region erzählen:
Da wäre der Rodensteiner Hof, der damals noch über eine Treppe zur Straßenseite hin verfügte. Im Rahmen des steigenden Verkehrsaufkommens wurde diese bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts entfernt.
Da wäre der Schornstein ein paar Häuser weiter, der zur Brauerei Diefenbach gehörte, die ihr Bier unter wunderbaren Kastanien im eigenen Biergarten ausschenkte.
Da wären die Gärten an der Auerbacher Straße, die nur wenige Jahre nach der Entstehung dieser Postkarte durch den Bau des Postamtes im Jahre 1908 verschwanden.
Da wäre der kaum bewaldete Kirchberg, der einzig und allein dem Weinbau diente.
Da wären die Namen des Gasthauses „Weisses Ross“, die Werbung für die „Wergersche Brauerei-Gesellschaft Worms“ und das Herrenatelier ganz am linken Bildrand, die heute kaum einem Bensheimer noch etwas sagen dürften.
Vielleicht wäre da noch mehr zu entdecken, aber das ist Ihre Aufgabe!
Ein bekannter Anblick und ein häufig wiederkehrendes Motiv, wenn es um die Hauptstraße in Bensheim geht. In der heutigen Ansicht, aus der Sammlung von Herrn Kühnreich, sieht man die alte Stadtkirche mit ihrem Turm (nur einer!), die Fachwerkhäuser der Hauptstraße mit verputztem Fachwerk, man sieht... hey... Moment... Ein Hochrad am Giebel des Hauses auf der rechten Seite. Kein Lastenaufzug... Ein Hochrad! Jetzt sind Sie dran! Was macht es da oben?
Links erkennt man die heute noch existierenden Gebäude Wilhelmstraße 49,
47, 45 und 43. Die Weiherstraße ist noch völlig unbebaut und die
Freifläche erstreckt sich bis zum bischöflichen Konvikt, dem heutigen
Rathaus.
Adressat: Frau Ida Ahrendt bei Fischer, Berlin-Weißensee, Berliner-Allee; Text: Bin Sonntag Nacht um 11 Uhr hier gut angekommen. Es geht mir bis jetzt noch ganz gut. Mit freundlichem Gruß Heinrich;
Die Kaiser Wilhelm-Straße - also die heutige Wilhelmstraße - in einer Lithographie um 1900. Wäre der vordere Bereich heute nicht bebaut, so könnte man die Wilhelmstraße genauso betrachten... fast, denn auch wenn die Häuser heute noch stehen, so sind es die kleinen baulichen Veränderungen, die den Unterschied machen... Gehen Sie doch mal vorbei...
Die Auerbacher Straße (heutige Darmstädter Straße) in einer Lithographie von 1900 betrachtet vom Anwesen 94 in Blickrichtung Südost. Die Häuser 79 - 69 kann man auch heute noch betrachten... ach, was... bestaunen und bewundern, allerdings hat die Straße ein wenig an Reiz verloren, nachdem sie in den 1970er Jahren zu einer Verkehrsschneise ausgebaut wurde. Der Baumbestand, der sandige Gehweg und die gepflasterte Straße trugen maßgeblich zur Atmosphäre bei. Aber schon damals zeigen sich die ersten Neuerungen, die vermutlich auch damals auch schon Gegner gehabt haben dürften: Telegraphen- und Strommasten.
Im Hintergrund der Bensheimer Hausberg, der noch weitaus weniger bewaldet und stärker von Weinbergen geprägt war.
Während man heute einfach auf den Auslöser der Handykamera drückt und sich die Bilder digital in der Cloud speichert, bzw. die Bilder gleich in sozialen Netzwerken teilt oder den Service von Postkartendruckereien in Anspruch nimmt, mussten früher etliche Schritte unternommen werden, um eine Ansichtskarte in Umlauf zu bringen. Kunstvoll gezeichnete und aufwendig kolorierte Lithographien schmückten die Ansichtskarten, die damals nur auf der Bildseite beschriftet werden durften, während die Rückseite der Adresse vorbehalten blieb.
So auch diese wunderbare Ansichtskarte, die 1900 verschickt wurde und die Auerbacher Straße und die Gymnasium Straße zeigt. Die Auerbacher Straße? Die Gymnasium Straße? Ja, lang, lang ist es her, dass diese Straßen den Bensheimern bekannt und zugänglich waren. Während die Auerbacher Straße heute unter dem Namen Darmstädter Straße bekannt ist, ist die Gymnasium Straße... heute nicht mehr existent. Sie verlief südlich des Hauptgebäudes des Bensheimer Gymnasiums entlang, also zwischen dem Anwesen Darmstädter Straße 43 und 45. Das Gebäude im Hintergrund ist das immer noch prachtvoll erhaltene und sehenswerte Anwesen Arnauer Straße 17.
Der Bildvergleich zeigt die drastischen Veränderungen einer Gasse, die durchaus das Potential gehabt hätte, den Charme zu entwickeln, wie er in Städten wie Heppenheim, Zwingenberg etc. zu finden ist. Auch wenn die moderne Bebauung heutzutage mehr Komfort bietet und mehr Wohnraum entstanden ist, so schmerzt der Anblick doch ein wenig.
"Das alte Bensheim", das kann man wohl mit einem kleinen Seufzer ruhig so sagen, wenn man die alten Bilder des Unteren Grabengäßchens so sieht. Zugegeben, die Substanz ist auf den Bildern als dringend reparaturbedürftig einzustufen, aber was hätte man heute daraus gemacht, machen können, wenn man wollte... aber das ist ein ganz anderes Thema!
Stück für Stück schwindet das alte Bensheim - Im Jahre 1968 fällt das "Haus Schwerdt" der Abrissbirne zum Opfer. Neben dem Haus sind es die vielen Details, die das Ansehen einer Straße wie die Schuhgasse prägen: Kopfsteinpflaster, alte Mauern und Tore. Wer heute durch Bensheim geht, dürfte die Schuhgasse eher meiden... da ist nicht viel zu sehen... Sorry!
Die Bilder stammen aus dem Stadtarchiv Bensheim. Vielen Dank an Dieter Ehret, der sich als Fachwerkenthusiast in bensheim sehr gut auskennt und immer wieder mit Rat und Tat zur Seite steht.
Wir schreiben die 1960er Jahre und Deutschland befreit sich von der alten Bausubstanz... weil es einfacher ist, weil es bequem ist... nur das Neue musss nicht immer schön sein. Das Alte zeigt sich aber auch nicht immer von der verlockenden Seite, denn der Gammel und der Zerfall hat nach Jahrzehnten der Verwahrlosung und der vielen Anpassungen der letzten Jahrhunderte Spuren hinterlassen.
Da sich im Bereich Schlinkengasse - Am Bürgerhaus allmählich die Reihen lichten, erhalten wir durch den Abriss eines Hauses einen seltenen Anblick auf die Schlinkengassse 7. "Ach du grüne Neune... ob das noch was wird?" Ja, es wird etwas, denn das Haus auf der Ecke wird gerettet. Zwar standen die Vorzeichen schlecht, aber es wurde saniert und steht heute in voller Pracht da.
Vielen dank an Dieter Ehret für die vielen Details zu den Gebäuden und die Bilder.
Das Nachbarhaus - noch steht es
Noch steht es und auch hier erlaubt der Abriss des kleinen Fachwerhäuschens einen Blick auf das alte Fachwerk. Viel wurde daran "gebastelt" und vielleicht würde man es heute noch retten, aber... es ist weg.
Wenn man alte Bilder erhält - in diesem Falle Dias - und diese auch noch falsch beschriftet sind, bzw. falsch in die Diarahmen eingesetzt wurden, dann kann es passieren, dass man Häuser falsch zuordnet. So geschah es mir, als ein altes Dia aus dem Bestand "Wahl" falsch eingescannt und dann falsch interpretiert wurde. Ein vermeintlich abgerissenes Haus (wie im Beitrag vom 24. Juli 2020 "Historisches Fachwerkhaus - Schlinkengasse 7, Ecke "Am Bürgerhaus" dargestellt und mittlerweile korrigiert), steht wie "aus dem Ei gepellt" in Bensheim. Die Schlinkengasse 7.
Auf den Fehler aufmerksam machte Herr Dieter Ehret aus Hemsbach, der nicht nur die Geschichte des Hauses darlegte, sondern auch noch weitere Geheimnisse der Bergsträßer Fachwerkwelt verriet, und die Geschichte der noch erhaltenen Häuser in der Schlinkengasse und "Am Bürgerhaus"ergänzte.
Aber jetzt erst einmal zum Anwesen "Schlinkengasse 7"
Bilder von 1952
Bilder Mitte der 1970er Jahre (bekannt aus o.g. Beitrag)
Lage
Weitere Fachwerkhäuser im Bereich Am Bürgerhaus / Schlinkengasse
Nun zu Dieter Ehret und dem Fachwerkhaus "Am Bürgerhaus 5" in einem Artikel aus dem Darmstädter Echo vom 1. Juni 1991:
Experte hilft bei Sanierung
Dieter Ehret hat Fachwerkhaus originalgetreu rekonstruiert
FACHWERK WIE ANNO DAZUMAL:
Dieter Ehret, Träger des Hessischen Denkmalschutzpreises, hat sich mit dem baulichen Werdegang des Hauses Nummer 5 an der Straße „Am Bürgerhaus" in Bensheim befaßt. Dank seiner Zeichnungen vom Originalzustand wird das Gebäude nach der Sanierung im ersten und zweiten Obergeschoß wieder jene reichgegliederte Fachwerkfassade zeigen, die es ursprünglich gehabt haben muß. (lug)
BENSHEIM (DE). Seit einiger Zeit kennt man im Bensheimer Stadtbauamt einen freiwillig engagierten Sanierungsexperten, der zur Pflege des Stadtbildes mit fundierten Anregungen aufwartet. Dieter Ehret, Verwaltungsangestellter in Hemsbach, interessiert sich für alte Fachwerkhäuser, und ganz besonders dafür, wie sie im Orginalzustand ausgesehen haben.
Der Fachwerkforscher aus Passion beläßt es nicht nur bei der Theorie, schreibt Erika Ertl von der Pressestelle der Stadt. Wenn er alles intus hat, was das jeweilige Stadtarchiv, Sanierungsbüro und die Architekten zum Projekt zu sagen haben, schaut er sich selbst um, fotografiert und filmt. Danach legt er Stapel von Skizzen an und baut schließlich das alte Haus im Maßstab 1:20 oder 1:50 nach, einschließlich der inneren Bundwände, sämtlicher Verstrebungen, Fensterfassungen und Treppen.
Mehr als 40 dieser bis zu einem Zentner schweren Modelle hat er bisher nachkonstruiert. Auf einer Wanderausstellung im Südhessischen mögen sie interessierten Besuchern den Blick auf Harmonie und Schönheit der alten Gebäude geschärft haben. Für Ausdauer und Einsatz, der bei Hausbesitzern, Architekten und Sanierungsbeauftragten Bewußtsein schafft und dazu beiträgt, mehr über den Erhalt als über den Abriß nachzudenken, hat Dieter Ehret im vergangenen Jahr zusammen mit anderen den Hessischen Denkmalschutzpreis erhalten.
In Bensheim hat das Fachwerkhaus Nummer 5 an der Straße „Am Bürgerhaus" Ehrets Aufmerksamkeit erregt. Er hat es eingehend erkundet, untersucht, sich mit dem baulichen Werdegang beschäftigt und danach sowohl den jetzigen, als auch den ursprünglichen Zustand des Hauses zeichnerisch dokumentiert.
Nach seinen Angaben wurde das Haus zwischen 1570 und 1575 erbaut und seitdem vielfach verändert. Im 17. Jahrhundert muß das ehemals bodenständige Fachwerk im Erdgeschoß durch massives Bruchsteinmauerwerk ersetzt worden sein. Die Vergrößerung der Fensteröffnungen datiert er ins 18. Jahrhundert.
Die Zeichnungen der Originalfassade, die er dem Stadtbauamt und den Eigentümern zur Verfügung stellte, führten dazu, daß das Eckhaus im ersten und zweiten Obergeschoß wieder jene reichgegliederte Fachwerkfassade zeigen wird, die es ursprünglich gehabt haben muß. Die Holzkonstruktion zeigt jetzt schon, wie es werden wird.
Etwa die Hälfte der noch vorhandenen Holzteile mußte erneuert werden, die andere Hälfte konnte nach fachgemäßer Bearbeitung durch den Zimmermann wiederverwendet werden. Die Denkmalschutzbehörde, die bei der Sanierung ein gewichtiges Wort mitzureden hat, hat die Form der Rekonstruktion befürwortet, heißt es weiter.
Digitalisierte Versionen der Skizzen von Dieter Ehret "Am Bürgerhaus 5"
Lage
Video über die Johannesberger Handwerkssammlung mit den Modellen Dieter Ehrets
Die Bahnanlage im Bereich der heutigen Rodensteinstraße auf einer Ansichtskarte der Kunstanstalt Chr. Haun, Darmstadt; gelaufen: 06.08.1900.
Die Ansichtskarte zeigt die Rodensteinstraße (ursprünglich: Mannheimer Straße), die damals noch auf gleicher Höhe mit den Bahnanlagen der Main-Neckar Bahn bzw. der Hessischen Ludwigs-Bahn lag. Im Hintergrund (Mitte) sieht man die alte Stadtkirche und das Dach des davor befindlichen alten Rathauses. Ganz links erkennt man den Rodensteiner Hof. Von den in der Rodensteinstraße zu sehenden Häusern stehen nur noch wenige. Die Mathildenstraße im rechten Teil des Bildes (links neben dem Haus am rechten Bildrand) ist ebenfalls zu erkennen.
Wie idyllisch, wie romantisch, wie... weg! Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. In diesem Falle stimmt das in doppelter Hinsicht, denn was soll man in Anbetracht der heutigen Situation an gleicher Stelle noch viel sagen. Der Text der Feldpostkarte ist auch eher bescheiden... "Danke für Deine Karte... erhältst Du meine Karten... Bis bald... Gruß"
Das Amtsgericht in der Wilhelmstraße 26 wird demnächst 120 Jahre alt... es steht noch immer, ist immer noch ein Gericht, es war zwischenzeitlich an das Gefängnisgericht angeschlossen, welches 1980 mitsamt der Gefängnismauern abgerissen worden ist, und es sieht immer noch prachtvoll aus. Der Baumbestand ist gewachsen, das verändert die Ansicht heute nochmals und im Hintergrund sehen sie nichts... Da war Bensheim zu Ende, da kamen die Gärten und Felder... Ein richtiges Kleinstadtidyll.
Ein herzliches Dankeschön an Herrn Kühnreich für diese zwei Bilder.
Zugegeben, der Vergleich ist aufgrund der unterschiedlichen Jahreszeiten nicht ganz fair, aber trotzdem dürfte der Zustand der Straße heute überzeugender sein... oder?
Was als kleines, unscheinbares Haus am Rande der Bachgasse in Bensheim Auerbach kaum ins Auge fällt, ist ein Kleinod und ein Mahnmal zugleich. Im Jahre 1780 erbaut und das Herz jüdischen Lebens in Auerbach, wird sie in den 1930er Jahren verpachtet und als Reperaturwerkstatt für Landmaschinen genutzt, wie die Werbeschilder für Hako-Landmaschinen und Ford belegen. Was für einen solch wichtigen Ort kaum vorstellbar erscheint, die Nutzung als Werkstatt, rettet dieses Gebäude vor der Zerstörung durch den Nazi-Terror. Es bleibt stehen, vorerst, denn in den 1970er Jahren wird das Gebäude - mittlerweile in einem traurigen Zustand - wieder zum Abriss vorgesehen. Es kommt anders und das Gebäude kann stehen bleiben. Auch wenn nicht mehr als Synagoge genutzt, so dient es heute als Begegnungsstätte, Ort der Erinnerung und Mahnmal. Die Synagoge von Auerbach.
Irgendwie schien dieser Bereich interessant zu sein für Herrn Wahl, denn es gibt etliche Bilder, die er hier geschossen hat. Vielleicht kannte er aber auch die Planung dessen, was der Griesel in den kommenden Jahren erleben sollte. Grundstücke wurden getauscht, zusammengelegt, die alten Häuser samt Gewölbekeller (man darf gar nicht daran denken, was man heute alles aus den Kellern machen könnte!) abgerissen, neu gebaut... Parkraum geschaffen.... Aber jetzt erst einmal noch ein Blick in die Phase... noch alt, nicht mehr ganz vollständig aber bald weg.