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Mittwoch, 30. März 2016

Abiturjahrgang 1934 Hessisches Gymnasium Bensheim a.d.Bergstr.

Wieder einmal ein Gruppenbild, aber dieses Mal ist der Anlaß bekannt: Der Abiturjahrgang 1934 des Bensheimer Gymnasiums. Wie wurde früher - vor rund 80 Jahren - das Abitur gefeiert? Was geschah mit den Abiturienten?

Diese Fragen konnten nach Recherchen geklärt werden, denn dem Gruppenbild konnten
  • eine Liste der Abiturienten, 
  • eine Abschrift des Festprogramms,
  • ein Zeitungsartikel über die Feierlichkeiten und
  • ein mehrseitiger Brief, der aus dem Jahre 1949 stammt und über den Verbleib der Jahrgänge 1914 bis 1943 sowie über die Wiederaufnahme des Schulbetriebes des Gymnasiums nach dem Krieg informiert, 
  • das Logo des Abiturjahrgangs (s.o.)
zugeordnet werden.

Gruppenbild mit Liste der Abiturienten der Oberprima 2 (OI 2)

Das Bild wurde bereits mit den bekannten Namen versehen (Buchstaben A - E). 

 

Liste der Schüler OI 2

Armbruster, Anton (24.02.1914); Berberich, Egon (17.06.1913); Broßmann, Heinrich (12.03.1915); Brust, Karl (04.11.1914); Ell, Franz (09.02.1914); Fettel, Friedrich (07.08.1913); Finkenauer, Fritz (17.07.1914); Gebhardt, Werner (11.05.1914); Heimberger, Ludwig (11.02.1914); Hofmeister, Richard (25.10.1912); Kiefer, Georg (24.07.1914); Kölsch, Edmund (06.06.1888); Kübler, Valentin (25.08.1912); Kühn, Fritz (31.07.1909); Montag, Heinrich (24.08.1914); Nicolai, Max (25.01.1915); Reinhart van Gülpen, Fritz (28.10.1914); Ringelstein, Josef (18.04.1914); Sauer, Johann (26.02.1915); Schäfer, Theodor (16.08.1913); Staab, Valentin (05.01.1913); Terörde, Ferdinand (29.03.1913); Birkenbach, Josef (20.06.1913)

 

Festprogramm

Der Festakt, entnommen einer Abschrift des Festprogrammes, lief wie folgt ab (die musikalischen Beiträge sowie die Rezetierungen sind als Links eingefügt, um einen Eindruck des Festaktes zu vermitteln):

Entlassungsfeier der Abiturienten
Am Samstag, den 24. Februar 1934 nachm. 4 ¾ Uhr
1) Concerto aus der Kantate 142 von J.S.Bach Schülerorchester
2) „Ich will den Namen Gottes loben“ Chor und Orchester
3) „Für meine Söhne“ von Theodor Storm vorgetragen von Th. Schaefer Ia2
4) Abschiedsworte an die Abiturienten Studienrat Tritsch
5) Abschiedsrede Klopstocks von Schulpforta 1. Auszug vorgetragen von V.A. Meyer Ia1
6) Allegro aus dem Trio XX in Es-Dur von J. Haydn . . . für Klavier, Violine und Cello
7) Abschiedsworte eines Oberprimaners
8) Ansprache des Direktors und Austeilung der Zeugnisse.
9) Choral: Alleluja aus der Kantate 142 von J.S.Bach . . . Chor und Orchester.
10) Deutschland- und Horst-Wessel-Lied

Zeitungsartikel

Der Zeitungsartikel spiegelt, genauso wie der letzte Punkt des Festaktes, die politische Lage wieder. Er wurde aus einer Zeitung ausgeschnitten - vermutlich dem Bergsträßer Anzeigeblatt, vermutlich am Montag nach der Feierlichkeit, also dem 26.02.1934. Insbesondere durch die Liste, die den Tod von insgesamt 7 Schülern dieser Klasse dokumentiert, ist der Artikel lesenswert.

Abiturienten-Entlassung. Nachdem nunmehr am hiesigen Gymnasium die Abschlußüberprüfungen beendet waren, konnte am Samstag nachmittags 16.45 Uhr in der Turnhalle des Gymnasium die Entlassung der Abiturienten in einer besonderen Feier durchgeführt werden, zu der neben zahlreichen Freunden und Gästen, auch die Eltern der Abiturienten und das Lehrerkollegium eingeladen und erschienen waren. Zuerst trug das Schulorchester das Concerto aus der Kantate 142 von Johann Sebastian Bach vor. Es folgte darauf "Ich will den Namen Gottes loben", durch Chor und Orchester der Anstalt zu Gehör gebracht. Abiturient Th. Schäfer (Ia 2) sprach in gebundener Rede Th. Storms "Für meine Söhne". Darauf richtete Herr Studienrat Tritsch Worte an des Abschieds an die Abiturienten, wobei er sie an alles das erinnerte, was ihnen während des vergangenen und letzten Schuljahres unser schönes deutsches Vaterland geboten hat; als es galt, unseren deutschen Brüdern im Ausland zu zeigen, daß auch unsere Jugend in aller Verbundenheit mit jenen Deutschen fern der Heim[a]t jener gedenkt, die, losgelöst vom Mutterland, unter fremden Völkern leben müssen. Es waren die Tage von Passau, die anlässlich der Feier des V.D.A. [Anm.: Volksbund für das Deutschtum im Ausland] auch die Schüler der oberen und obersten Klasse unseres Gymnasiums dort in den großen Kreisen derer unserer heranwachsenden Jugend einführten, die als Deutsche gemeinsam mit jenen Auslandsdeutschen, das Treuegelöbnis zum angestammten Vaterland und seiner Söhne leisteten. Alles das, was früher Wunsch war, sei jetzt in Erfüllung gegangen. Ein Wille, ein Volk stehe heute in Deutschland da. Große Werktage habe das Jahr 1933 gehabt und dank unseres großen Führers Hitler und seiner Mitarbeiter stünden wir nunmehr mitten im Gesundungsprozeß nach langen schweren Jahren der Irre. Das heißt aber auch das Gelöbnis unerschütterlicher Treue und ein Festhalten am Führer. Mit einem allseitig brausend aufgenommen. "Heil Hitler" auf Deutschland und seinen Führer schloß die Ansprache. Nunmehr brachte Oberprimaner V.A.Meyer (Ia 1) die Abschiedsworte Klopstocks, die dieser bei seinem Verlassen von der Schulpforte hielt, im Auszug zum Vortrag. Das Allegro aus dem Trio 20 in Es-Dur von J. Haydn für Klavier, Violine und Cello, dann Abschiedsworte eines Oberprimaners leiteten zur Ansprache des Herrn Oberstudiendirektor Dr. Breidenbach, des Leiters des Gymnasiums über. Herr Dr. Breidenbach begrüßte die Anwesenden, beglückwünschte die Abiturienten und gedachte mit Genugtuung des guten Zusammenhalts von Schule und Elternhaus bei der Erziehung unserer Jugend. Nach sorglosem Knabenalter trete diese in die stürmischen Jünglingsjahre, später aber, wenn die Spanne zwischen Schulzeit und Beruf größer und größer werde, wachse auch die Erinnerung und die Erkenntnis einer Dankbarkeit für die in der Schulzeit empfangenen Lehren. Nicht zu jungen Griechen und Römern werde auf unseren Gymnasien die Jugend erzogen, sondern zu guten Deutschen, denen nichts höher stehen dürfe, als das Vaterland und seine glückliche Zukunft, die in der deutschen Volks- und Schicksalsgemeinschaft liege. Sodann streifte der Redner die jetzige Begrenzung des Hochschulstudiums und erläuterte die entsprechenden Verordnungen und ihren Zweck. Dann gab der Herr Ober-Studiendirektor den jungen nunmehr der Schulbank ledigen  Menschen noch den Wunsch mit auf den Lebensweg: Nicht dem Einzelnen möge es gut gehen, sondern im Gegenteil zuerst dem Staat. Wer so dem Volke seine Arbeit schenkt, der wird in ihr Genüge finden, zumal dann, wenn er auch  seinen Blick  nach oben wendet im starken Gottesglauben. Die zu Herzen gehenden Worte schlossen mit der Mahnung: "Seid deutsch in Wort und Wandel". Und dann empfingen die Abiturienten - 20 der Klasse OI. 1 und 22 der Parallelklasse  OI. 2  - aus der Hand  des Direktors ihre Abgangszeugnisse, wogegen durch die Schüler ein einem Dank an Gott, die Eltern und  Lehrer das Versprechen abgegeben wurde, in Pflichterfüllung gegen Gott und das Vaterland alles für Deutschland einzusetzen. Mit einem "Heil Hitler" schloß der eindrucksvolle Akt. Den beiden besten Schülern der OI 1 und OI 2 wurde je eine Erinnerungsmedaille ausgehändigt. Mit dem vom Chor und Orchester vorgetragenen Choral "Alleluja" aus der Kantate 142 von J.S. Bach und dem gemeinsamen Gesang je der ersten Strophe des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes fand die Feier ihren Abschluß.

Bericht über Verbleib von Ehemaligen und Wiederaufnahme des Schulbetriebes (1949)

Verzeichnis der gefallenen, gestorbenen, vermißten oder sich noch in Kriegsgefangenschaft befindenden ehemaligen Bensheimer Gymnasiasten und Oberschüler von 1914 - 1943.
[...] Gefallen oder gestorben sind: [...] 1934: Brust, Karl; Gebhardt, Werner; Ringelstein, Josef; Lehn, Wilhelm; Maul, Christian; Radtke, Joachim; Schepperle, Richard
[...]Vermisst sind: [...] 1934: Knapp, Richard
[...] Wer kann Auskünfte geben über: [...] Kleinjung; Werner, geb. 28.01.1915 - Jahrg. 1934
[...] Von den früheren Lehrern sind gefallen: [...] St.R. Tritsch
[...] Im Ruhestand leben: [...] O.St.Dir.Dr. Breidenbach

Dienstag, 29. September 2015

Der Beauner-Platz / Die Anlage

Der Beauner Platz in Bensheim ist nur ein Beispiel für die massiven Veränderungen, die Plätze, Straßen und Städte generell, im Laufe der Zeit durchlaufen. So auch "die Ââlag", wie der Bensheimer sagen würde. Neben den vielen Namen hat sich dieser Teil der Stadt auch optisch stark verändert.

Im Bensheimer Idiotikon findet man eine knappe Beschreibung des heutigen Beauner-Platzes, damals, 1950, noch als die Anlage bezeichnet:

"Vom unteren Rinnentor bis zum Dalberger Hof hatte die frühere Bensheimer Stadtmauer keine Türme. Dafür war diese Mauer durch einen tiefen Graben geschützt, der später eingeebnet wurde. Das Gelände hieß noch lange Zeit „der Graben“. Daran erinnert noch das auf den freien Platz mündende „Untere Grabengäßchen“, das im Jahre 1679 einen kleinen Ausgang durch die Stadtmauer erhielt. Später wurde dieser ausgefüllte Graben städtische Anlage. Um 1800 wurde der aufgefüllte Graben als „Tuchbleiche“ benutzt. Die Anlage zerfiel in zwei Teile, unterbrochen durch die Straße nach dem Bahnhof. Der südliche Teil diente als Kinderspielplatz und zum Abhalten von festlichen Veranstaltungen. An der Straße stand ein Springbrunnen. Der nördliche Teil war parkartig angelegt. An der Straßenfront, dem oben erwähnten Springbrunnen gegenüber, stand „die Germania“, das Ende der 1870er Jahre errichtete Kriegerdenkmal für die im Kriege 1870/1871 gefallenen Bensheimer. Im Jahre 1934 wurde der südliche Teil planiert und mit einem Schotterbelag versehen, um als Vergnügungspark für die Winzerfeste zu dienen. Der Springbrunnen wurde entfernt. Der nördliche Teil der Anlage wurde umgerodet und gärtnerisch angelegt. Das Kriegerdenkmal, das durch unsachgemäße Behandlung völlig verwittert war, verlegte man an die äußerste nördliche Spitze. Es wurde am 27. März 1945 durch eine Bombe zerstört."

Die hier gezeigten Bilder geben einen Eindruck der Veränderungen bis 1961, danach kam aufgrund des Hessentages 1976 und dem Bau des Neumarktes weitere massive Veränderungen hinzu:

heutiger Beauner-Platz, Die "Germania" - Kriegerdenkmal von 1870/71, Quelle Stadtarchiv, Bereich: Beauner-Platz, lfd.No.: 0001.jpg
heutiger Beauner-Platz, Die "Germania" - Kriegerdenkmal von 1870/71, Quelle Stadtarchiv, Bereich: Beauner-Platz, lfd.No.: 0001.jpg

heutiger Beauner-Platz, Die "Germania" - Kriegerdenkmal von 1870/71, Aufnahme entstand aus Anlass der Rodungsarbeiten 1934, Quelle Stadtarchiv Bensheim / Bereich-Beauner-Platz / lfd.No. 0003.jpg
heutiger Beauner-Platz, Die "Germania" - Kriegerdenkmal von 1870/71, Aufnahme entstand aus Anlass der Rodungsarbeiten 1934, Quelle: Stadtarchiv Bensheim / Bereich-Beauner-Platz / lfd.No. 0003.jpg

heutiger Beauner-Platz, Die "Germania" - Kriegerdenkmal von 1870/71, Quelle Stadtarchiv Bensheim / Bereich-Beauner-Platz / lfd.No. 0002.jpg
heutiger Beauner-Platz, Die "Germania" - Kriegerdenkmal von 1870/71, Aufnahme entstand aus Anlass der Rodungsarbeiten 1934, Quelle Stadtarchiv Bensheim / Bereich-Beauner-Platz / lfd.No. 0002.jpg

heutiger Beauner-Platz, Blick auf den Dalberger Hof, Quelle Stadtarchiv Bensheim / Bereich-Beauner-Platz / lfd.No. 0005.jpg
heutiger Beauner-Platz, Blick auf den Dalberger Hof 1960, Quelle Stadtarchiv Bensheim / Bereich-Beauner-Platz / lfd.No. 0005.jpg

heutiger Beauner-Platz, Blick Richtung Süd (ehemalige Turnhalle im Hintergrund, Quelle Stadtarchiv Bensheim / Bereich-Beauner-Platz / lfd.No. 0004.jpg
heutiger Beauner-Platz, Blick Richtung Süd 1961 (ehemalige Turnhalle im Hintergrund), Quelle Stadtarchiv Bensheim / Bereich-Beauner-Platz / lfd.No. 0004.jpg